News > Buchrezension: "Reinventing Organizations" von Frederic Laloux

Galler Irene am 31.3.2017
Buch-Rezension: Reinventing Organizations -
Ein Leitfaden zur Gestaltung sinnstiftender Formen der Zusammenarbeit von Frederic Laloux
Wenn wir die herausfordernden Probleme unserer Zeit lösen wollen, werden wir eine neue Weltsicht, ein neues Menschenbild und neue Organisationsformen brauchen – stärker sinnorientierte Wirtschaftsunternehmen, beseelte Schulen, wirkungsvollere gemeinnützige Organisationen. Jeder, der sich ins Neue begibt, wird wahrscheinlich auf Widerstände stoßen und als Idealist oder Narr bezeichnet werden. Die Welt wurde nur durch solche Menschen verändert. Wenn Sie einer davon sind, wird Ihnen dieses Buch zusätzliches Vertrauen darin geben, dass es möglich ist und ein inspirierender und praktischer Leitfaden sein.
Das Überleben vieler Tierarten, Ökosysteme und vielleicht der Menschheit selbst hängt von unserer Fähigkeit ab, uns zu höheren Formen des Bewusstseins zu entwickeln und von dort aus in einer neuen Weise zusammenzuarbeiten, um unsere Beziehung mit der immer komplexer werdenden Welt zu transformieren und die Schäden, die wir angerichtet haben, zu heilen. Das erste Kapitel des Buches gibt einen Überblick über die menschlichen Entwicklungsstufen, die auch zu einem besseren Verständnis von Organisationsformen, die auch heute noch angewandt werden, beitragen.
Jede dieser Entwicklungsstufen zeigte sich in der gesamten Menschheit und wiederholt sich heute im Grunde in jedem Individuum. Jede dieser Stufen umfasst bestimmte Werte, Bedürfnisse, Motivationen, Moralvorstellungen, Weltsichten, Egostrukturen, soziale Typen und soziale Netzwerke.
Auf jeder Stufe machten wir einen Sprung in unseren kognitiven, moralischen und psychologischen Fähigkeiten im Umgang mit der Welt. Die nächste Stufe, in die wir uns gerade erst hineinbewegen, korrespondiert mit der Ebene der „Selbstverwirklichung“ im Modell von Abraham Maslow und wird authentisch, evolutionär oder integral genannt. In der integralen Weltsicht weisen wir unser Ego in die Schranken und suchen nach der inneren Stimmigkeit und nach einer heilsameren Daseinsweise. Es findet ein Wandel vom Paradigma des Mangels zu einem Paradigma, das auf unseren Stärken basiert, statt. Evolutionäre Gesellschaften haben vielleicht kein oder sogar ein negatives Bruttoinlandsprodukt, werden aber emotional, spirituell und in ihren Beziehungen viel reicher sein.
In Kapitel 2 stellt Laloux Organisationen und deren Strukturen, Praktiken und Kulturen vor, die teilweise schon über 30 Jahre aus dem integralen Paradigma leben. Laloux konnte drei Durchbrüche erkennen: Selbstführung, Ganzheit und evolutionärer Sinn.
Evolutionäre Organisationen, sind „lebende Organismen mit Seele“, überwinden die ungleiche Machtverteilung, lauschen nach innen, richten sich auf ihren evolutionären Sinn aus, konzentrieren sich auf das, was getan werden muss und nicht auf die Profitabilität (paradoxerweise sind sie sehr profitabel) und suchen nach einer praktikablen Lösung, die schnell implementiert werden kann und nicht nach der bestmöglichen Lösung. Sie nähern sich sehr stark einer Wirtschaft mit geschlossenen Kreisläufen ohne Müll und Gift und hundert Prozent Recycling an.
Sie unterstützen Menschen dabei, ihre Ganzheit wiederzuerlangen und ihr vollständiges Selbst in die Arbeit einzubringen. Wenn Mitarbeiter eingeladen werden, auf den Sinn der Organisation zu hören, dann werden sie auch nach ihrer eigenen Berufung fragen. In Bewerbungsgesprächen geht es um die einfache und grundlegende Frage „Haben wir das Gefühl, dass wir für einen gemeinsamen Weg bestimmt sind“?
Die Weisheitstraditionen betonen die Notwendigkeit, regelmäßig Zeiten der Stille und Reflexion zu erfahren. Evolutionäre Organisationen bieten Beratungen und individuelles Coaching nicht nur Führungskräften, sondern allen Mitarbeitern an.
In evolutionären Organisationen sind Menschen intrinsisch motiviert und haben die Freiheit, auf Notwendigkeiten, die sie spüren, zu reagieren. Veränderung ist allgegenwärtig, sie geschieht natürlich, überall, ständig und meist ohne Schmerz und Anstrengung.

In Kapitel 3 führt Laloux die zwei notwendigen Bedingungen um eine evolutionäre Organisation zu gründen, an und entwirft einen Leitfaden für die Gründung einer evolutionären Organisation und die Veränderung einer schon bestehenden Organisation. Die zwei notwendigen Bedingungen sind, dass das leitende Management (Gründer, Leiter, Geschäftsführer) und der Eigentümer die integrale evolutionäre Weltsicht verstehen und leben müssen.
Die größte Gefahr in Zeiten des Umbruchs ist nicht der Umbruch selbst – es ist das Handeln mit der Logik von gestern. (Peter Drucker)
Dieses Buch empfinde ich als einzigartig und als ein sehr wichtiges und bahnbrechendes Buch, das die Veränderungen in Bewusstsein, Kultur und sozialen Systemen thematisiert, die sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt in der menschlichen und kosmischen Evolution in zunehmendem Masse ereignen.
Es ist ein Buch, das inspiriert und Lust macht, die Zukunft zu gestalten. Es ist ein Leitfaden für Menschen, für die das gegenwärtige Paradigma im Management zutiefst einschränkend ist und eine Pflichtlektüre für Menschen, die Unternehmen, Schulen, Krankenhäuser oder gemeinnützige Organisationen entwickeln möchten.
Mir gefällt vor allem die tiefgründige, tiefgreifende, ganzheitliche, globale und integrale Sichtweise von Laloux. Endlich ein Buch, das Wirtschaft mit Spiritualität verbindet.

Praktischer Nutzwert ✶ ✶ ✶ ✶✶
Lesbarkeit/Schreibstil ✶ ✶ ✶ ✶✶
Verständlichkeit ✶ ✶ ✶ ✶✶
Gliederung/Übersichtlichkeit ✶ ✶ ✶ ✶✶
Meine persönliche Empfehlung für Personalverantwortliche ✶ ✶ ✶ ✶✶

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http://www.ganzheitscoaching.at/seite39.htm



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